Mein Weg zu mir – Anders sein

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Kennt ihr das Gefühl, dass ihr nicht dazu gehört? Das Gefühl, ganz anders zu sein und dass hinter eurem Rücken über euch getuschelt wird? Seid ihr auch immer anders gewesen? Früher war es für mich die Hölle, heute liebe ich mein “Anders sein” denn wo steht denn geschrieben, dass “Anders” schlecht sein muss?

Es war einmal…

… ein kleines Mädchen, das fanden alle süß und niedlich. Als es dann aber älter wurde, stellte sich heraus, dass dieses Mädchen anders war als andere Mädchen. Kleider waren ihr ein Graus und typische Mädchenfarben brachten sie fast zum Weinen. Aus süß und niedlich wurde sonderbar und vor allem unsichtbar – ganz langsam und schleichend. Dieses Mädchen, das doch einfach nur es selbst sein wollte, das war ich.

Mein Weg

Wie alles begann

Meine Grundschul- und Orientierungszeit war eigentlich noch ziemlich unauffällig und ich kam in Jeans und Shirt ohne groß rauszustechen in die 7. Klasse. Dort fing es an. Ich war ziemlich groß, nicht besonders dünn und hatte vor allem kein Interesse daran, mich hübsch herzurichten. Wie meine Oma immer sagt “Hauptsache sauber und ordentlich”. Für mich war das auch kein Problem, ich fühlte mich einfach wohl und wollte mich nicht verstellen. Meine Klassenkameraden empfanden es als Problem und ließen kaum eine Möglichkeit aus, mich bloß zu stellen – und das alles nur, weil ich nicht ihrem Schönheitsideal entsprach.

Warum jetzt?

Als ich jetzt vor kurzem “The Belles – Schönheit regiert” gelesen habe, ist da bei mir einiges hochgekommen was mich lange und intensiv hat nachdenken lassen – über das Buch und vor allem über mich selbst. Die Gris in “The Belles” tun alles um schön zu sein. Sie nehmen Schmerzen in Kauf und geben Unmengen Geld aus um zur Gesellschaft dazu zu gehören. Denn in der Welt, die Dhonielle Clayton erschaffen hat, zählt nur eins – Schönheit.

Für mich war das nie wichtig. Egal ob Schulveranstaltung oder Feier, ich hab das angezogen was da war und für meinen Abschlussball musste ich zu einem Ballkleid förmlich gezwungen werden. Es wird jetzt bestimmt niemanden überraschen, dass ich mich den ganzen Abend unwohl gefühlt habe und trotz des hübschen Kleides fast nur allein am Rand stand. Ich hatte Freunde, ein paar wenige ausgewählte aber meist gingen diese auf andere Schulen oder waren halt auch mit anderen befreundet und haben dann halt gefeiert. Irgendwann habe ich gelernt drüber zu stehen.

Rückhalt

Schön wäre gewesen, wenn wenigstens meine komplette Familie mich so akzeptiert hätte, wie ich bin. Das war leider nicht der Fall. Meiner Mutter war es immer egal, dass ich anders bin und auch meine Oma hat mich so genommen wie ich nunmal bin. Ohne MakeUp und die neuesten Trends in Sachen Mode. Sie haben mich nicht nur akzeptiert sondern auch unterstützt in vor allem in dem bestärkt, was mir wichtig war – ich bleiben, mich nicht hinter Schichten aus Farbe verstecken.

Die liebe Familie

Familienfeiern waren dann aber schon ein ganz anderes Kaliber. Zig Cousinen, Tanten, Onkel und alle gucken, als käme man vom Mars – oder noch schlimmer, sie sehen dich gar nicht. Wenn man mit so vielen Menschen in einem Raum ist und doch genau so gut hätte ganz alleine sein können, dann fängt man an zu zweifeln, man fragt sich, ob man sich nicht dem Schönheitsideal anpassen sollte um irgendwie dazu zu gehören. Um gemocht zu werden, egal ob es nur wegen der Schönheit ist. Jedes geflüsterte “Mach doch mal was aus dir.” oder “Ich hab noch ein Kleid, das könnte dir passen wenn du endlich abnimmst” waren wie Nadelstiche und haben dafür gesorgt, dass ich noch so viel weniger sein wollte wie sie. Ich wollte unsichtbar sein und auf keinen Fall schön, denn dann wäre ich zu sehr aufgefallen.

Innerer Frieden

Irgendwann stumpft man ab. Das wird wohl mein großes Glück gewesen sein. Mit 15 habe ich einfach nichts und niemanden mehr an mich ran gelassen, mein Ding gemacht und mich im Pferdestall verschanzt. Hat jemand meinen Weg gekreuzt, der mich für mein Aussehen herabgesetzt hat, habe ich ihm nicht die Genugtuung gegeben und geweint. Habe jedes fiese Wort und jede noch fieser Aktion über mich ergehen lassen.

Mit 17 ging es bergauf, denn ich hatte Freunde, so dachte ich zumindest, die mich um meinetwillen mochten. Auch ohne besondere Schönheit und ohne MakeUp. Als dann aber soziale Verpflichtungen bei mir hinzukamen und ich nicht mehr dauernd Zeit hatte, war ich wieder so ziemlich auf mich gestellt. Einzig eine Freundin blieb. Diese kehrte mir aber den Rücken zu, als ich meinen inneren Frieden in Form meines Lieblingsmenschen gefunden habe. Er ist derjenige, für den ich schön sein möchte. Und das Beste ist, dass er mich so liebt wie ich bin, mit all meinem Anders sein.

Was ich nicht verstehe

Wenn ich darüber nachdenke, was die Gris auf sich nehmen, wird mir immer wieder ganz schlecht. Natürlich ist es für sie nicht schön, grau geboren zu sein und ohne die Belles würden sie auch einfach grau bleiben. Ich für mich denke, dass das nicht das allerschlimmste wäre, aber ich kann verstehen, dass man das nicht möchte und vor allem nicht, wenn es nicht alle so machen. Was aber in meinen Kopf einfach nicht hinein passt ist – Warum möchte man sein, wie jemand anders? Warum möchte man nicht sein, wer man wirklich ist? Man mag schwarze Haare aber blond ist gerade Mode – ja und? Dann steh dazu und sei schwarzhaarig! Hab den Mut dazu anders zu sein und dich nicht in der breiten Masse zu verstecken. Du musst ja nicht die- oder derjenige sein, der pinke Haare hat und nur knallbunte Klamotten anzieht, aber um Gottes Willen verstell dich nicht um anderen zu gefallen und lass dich auf keinen Fall in eine Rolle zwängen.

Es wird besser

Irgendwann kommt der Moment im Leben, an dem man entscheidet, wer man sein möchte. Ich habe mich dafür entschieden mir treu zu bleiben. Ich möchte mich nicht verstellen und auch wenn ich noch immer bei einigen Menschen an Ecke, so gibt es doch heute in meinem Leben etliche Menschen, die ich so mögen wie ich bin – oder aber, die mich mögen weil ich ich bin. Habt den Mut dazu, ihr selbst zu sein. Gerade der Weg den ich gehen musste, bis ich mich selbst am Ende gefunden habe, hat mich zu der gemacht, die ich heute bin. Manchmal laut, oft leise. Häufig chaotisch, selten ordentlich. Einfach ich.

Mittlerweile mag ich pink, lila und mädchenhaftes – manchmal sogar ein Kleid. Am liebsten bin ich aber noch immer in Jeans und Shirt unterwegs.

Integration ist wichtig

In unserer Gesellschaft ist Platz für jeden, der bereit ist, sich an gewisse Regeln zu halten. Ein Satz, der auch in unserer Gesellschaft noch nicht immer so wirklich wahr ist. Heutzutage aber schon mehr, als noch vor 60 Jahren. Gerade durch Social Media ist es für jeden möglich Gleichgesinnte zu finden und somit auch seinen Platz im großen Ganzen. Dazu kommt, dass die Menschen toleranter werden. Ein Wandel der mir gut gefällt – auch wenn es noch immer viele Menschen gibt, die weniger tolerant sind.

Im Orlèans, das von Dhonielle Clayton erschaffen wurde, sieht die Sache mit der Integration schon ganz anders aus. Platz ist nur für die, die sich anpassen. Diejenigen, die sich nicht anpassen, werden nicht integriert – es ist schlichtweg kein Platz für die, die unter dem Radar bleiben. Eine traurige Vorstellung für mich und eine Welt, in der ich definitiv nicht leben möchte.

Schönheit und Macht

Auf den ersten Blick erscheint es beinahe logisch, dass schöne Menschen mehr Macht haben, als die weniger Schönen. Uns wird weiß gemacht, dass Schönheit das Streben nach Macht erleichtert. Aber was genau ist eigentlich Schönheit? Hat nicht jeder Mensch ein anderes Schönheitsideal? Kann ich nicht etwas schön finden, was mein Nachbar hässlich findet? Wer sagt uns, was wir schön finden dürfen und was nicht?

Die mächtigsten Menschen der Welt zum Beispiel würden wohl von den meisten nicht als Schön bezeichnet werden. Das wirft bei mir folgende Frage auf:

“Warum denken wir sooft, dass Schönheit der Weg zu Macht ist?”

Weitere Beiträge zum Thema Schönheit könnt ihr hier finden: Agenturplan

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Fotos © Sunny’s Bücherschloss

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